"Wie dreht man einen 2 Stunden Film für 3000 Euro?"

Ein Interview mit Regisseur/ Produzent Torsten Lenz

Regisseur und Produzent Torsten Lenz hinter der Kamera

Ich denke, letztlich ging das nur durch hundertprozentigen Einsatz all unserer Kräfte und einen unerschütterlichen Glauben an das Gelingen dieses Projektes. Anfangs hat das ja außer mir im Grunde niemand für möglich gehalten. Ich kann mich erinnern, wie Mitschüler mich während der Vorproduktionsphase fragten, ob ich mir wirklich einbilden würde, dass ich so etwas schaffen könnte: "Ach, 130 Seiten hat das Drehbuch also? Was denkst du, wie viele wirst du verfilmen? 2? Oder vielleicht sogar 3?" Mir war natürlich bewusst, dass dieses Projekt alles andere als einfach werden würde, doch ich hatte es mir nun mal in den Kopf gesetzt und wusste, dass es durchaus möglich war, wenn ich nur hart genug arbeitete. Aber die entscheidende Motivation war wohl mein unglaublich starker Wunsch, einen Film zu drehen. Das wurde mir selbst erst während der Dreharbeiten richtig klar.

 

Torsten Lenz arbeitete bis spät in die Nacht

Objektiv betrachtete hätte ich das wirklich kaum schaffen können - ich hatte keine technische Ausbildung, auf einer Filmschule war ich schon gar nicht und hatte noch nicht einmal ein Praktikum oder irgendeinen Kurs mitgemacht. Ich hab einfach viele Filme gesehen, ein paar Bücher gelesen, mich ans Drehbuch gesetzt und los ging's. Nachmittags nach der Schule legte ich los, bis spät in die Nacht oder bis zum nächsten Morgen, solange, bis ich nicht mehr konnte eben. Das war sehr anstrengend, aber es hat ungeheuren Spaß gemacht.

 

Johann-Peter Wolff sorgte während der Dreharbeiten für Ordnung

Aber wir hatten einige unglaublich großzügige Helfer - beispielsweise die Hochschule für Musik und Theater Rostock, die P&H Bauservice GmbH und den Kostümverleih Klamöttchen. Wir haben die gesamte Kamera- und Lichttechnik kostenlos ausleihen können, ebenso die meisten Kostüme und Baumaterialien. Ich habe alle Ausgaben für Requisiten und Technik auf das absolut Unumgängliche beschränkt und musste häufig Drehbuchänderungen vornehmen, um die Szenen an unsere Möglichkeiten anzupassen. Und dann haben natürlich alle Teammitglieder kostenlos und ohne Catering gearbeitet. Und das an vielen Drehtagen mehr als 12 Stunden! Das war eine große Leistung von allen, ganz besonders von Johann, der mich bei den Dreharbeiten unterstützt hat wie kein anderer.

 

"FILMFÖRDERUNGEN SCHIEDEN AUS"

 

Das Geld war natürlich ein großes Problem. Sponsoren für einen Film zu finden, der von einem 17-jährigen ohne jegliche Referenzen gemacht wird, ist nahezu aussichtslos. Außerdem passt das Thema nun wirklich nicht zu den inhaltlichen Vorstellungen des Deutschen Films, wodurch auch Filmförderungen ausschieden. Weil ich aber nicht vorhatte, mich thematisch von den Finanzierungsaussichten abhängig zu machen, musste ich Verwandte und Freunde um Geld bitten und das meiste selbst bezahlen. Ich hatte ausgerechnet, dass ich den Film für ca. 3.000 Euro drehen könnte und reduzierte alle Ausgaben soweit es irgendwie ging.

 

"ES KAM AUF DIE PLANUNG AN"

 

Detailierte Shotlists waren wichtiger Bestandteil der Drehplanung

Als nächstes kam es auf eine genaue Planung an. In all dem Chaos und dem Zeitdruck der Dreharbeiten hätte ich nicht lange überlegen dürfen, was ich eigentlich wollte. So habe ich mir jede Szene Einstellung für Einstellung und Schnitt für Schnitt vorher überlegt und genaue Shot Lists geschrieben. Bei den Dreharbeiten bin ich nie davon abgewichen, wenn es sich vermeiden ließ. Dadurch konnte ich im Vorfeld die genaue Drehreihenfolge festlegen und wusste auch im größten Stress immer, was noch fehlte. Bei großen Szenen, die verschiedene Lichtaufbauten erforderten, war eine saubere Planung ja ohnehin unerlässlich.

 

Durch den geschickten Einsatz von Farben konnten die gewünschten Stimmungen auch ohne großen Lichaufwand erreicht werden.

Und dann kam eben viel Kreativität ins Spiel. Viele Dinge, die man aus Budgetgründen nicht drehen kann, lassen sich durch Schnitte ausdrücken. Ich habe viele Stimmungen durch den Einsatz von Farben erzeugt, so konnten auch große Szenen mit nur wenigen Scheinwerfern gedreht werden. 

 

 

 

Jubelnde Menschenmenge empfängt den US-Präsidenten

Ein anderes Beispiel: einmal benötigten wir eine große Menschenmenge, die jubelnd den US-Präsidenten begrüßt. Natürlich war es unmöglich, so viele Komparsen aufzutreiben. Ich wollte die Einstellungen aber auch nicht im Compositing entstehen lassen, da unsere Buddhaarmee die Postproduction bereits komplex genug machte. So haben wir Mitschüler und Freunde verpflichtet und kamen auf etwa 20 Komparsen. Die haben wir auf sehr engem Raum eingezäunt, sodass es ein wunderbares Gedrängel gab. Ich habe die Einstellungen mit langen Brennweiten gedreht und so die Masse noch dichter erscheinen lassen. Im Film wirkt das erstaunlich realistisch. So haben wir unsere bescheidenen Mittel immer nach etwas mehr aussehen lassen.

 

Ein weiterer Punkt ist die Filmmusik. Ich hatte unglaubliches Glück, mit Vincent einen Komponisten gefunden zu haben, der so eine großartige Musik schrieb, die genau meinen Vorstellungen entsprach. Wir haben beide sehr ähnliche Vorstellungen über Stil und Einsatz der Musik und so hat die Zusammenarbeit ungeheueren Spaß gemacht.

 

"VIELES WÜRDE ICH AM LIEBSTEN NOCH EINMAL NEU DREHEN"

 

Natürlich sieht der Film an einigen Stellen ganz anders aus, als ich ihn gerne gehabt hätte. Ich musste viele objektive Einschränkungen in Kauf nehmen und mich so mit Ergebnissen zufrieden geben, die nicht immer meinen Vorstellungen entsprachen. Allein die Tatsache, dass wir auf MiniDV drehen mussten, schränkte die Qualität der Bilder natürlich ein. Dreimal verloren wir sogar Rohmaterial, weil Bänder beschädigt waren. Da wir die betreffenden Szenen nicht noch einmal drehen konnten, musste ich sie im Schnitt soweit kürzen, dass sie mit dem verbliebenen Material erzählbar waren. Ich habe durch dieses Projekt so viel über filmisches Erzählen gelernt, dass mir heute viele Dinge, die ich mir in der neunten Klasse, als ich das Drehbuch schrieb, ausdachte, nicht mehr besonders gut erscheinen. Einige Szenen würde ich am liebsten noch einmal ganz anders umsetzen.

 

Soldaten stürmen zum Gefecht

Aber all diese Dinge sind großartige und sehr wertvolle Erfahrungen für mich. Dadurch, dass ich völlig auf mich allein gestellt war, von der Drehbuchentwicklung über Organisation bis zum Schnitt, habe ich wirklich sehr viel über den Umgang mit Film und den Einsatz filmischer Mittel gelernt. Learning by doing sozusagen. Darum war es auch gar nicht so wesentlich, dass ich mein gesamtes Geld in diesem Film gesteckt habe und viele Einschränkungen in Kauf nehmen musste. Letztlich haben wir den Film gemacht - ohne Förderungen oder professionelle Hilfe ist er fertig geworden! Und ich denke, darauf können wir zu Recht stolz sein.

 

Doch warum drehte Torsten Lenz trotz all dieser Schwierigkeiten einen aufwändigen Actionfilm, der über 50 Schauplätze und hunderte von Effekteinstellungen benötigte?

Kurzinfo:

Buddhism Revolutions @ Buddhism Revoltuions IMDb-Profil ->
Genre: Actionkomödie
Länge: ca. 130 Minuten
Budget: ca. 3.000 €
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Produktionsdaten: 2005 - 2010
Produktion und Regie: Torsten Lenz
Story: Torsten Lenz und Max Münkwitz
Musik: Vincent Strehlow

Beleuchter Erik Wenndorf im Interview über die technischen Herausforderungen

Ausführender Produzent Max Münkwitz in einem Interview über die Entstehungsgeschichte des Films

Aufnahmeleiter und Regieassistent Johann-Peter Wollf im Interview über die Dreharbeiten

Komponist Vincent Strehlow über seine Arbeit am Soundtrack